Imperia Konstanz Von Peter Lenk

Die deutsche Bodensee-Stadt Konstanz besitzt seit 1993 mit der Imperia eines der originellsten Stadtwahrzeichen der Bundesrepublik. Die aus Beton gegossene, neun Meter hohe Frauenfigur wiegt 18 Tonnen und wurde auf Initiative des städtischen Fremdenverkehrsvereins im Einvernehmen mit den damals noch bundesbahneigenen Bodensee-Schiffsbetrieben beim im Landkreis Konstanz einheimischen Bildhauer Peter Lenk (geboren 1947) in Auftrag gegeben. Peter Lenk, der durch ungewöhnlich skurrile, nicht selten auch provozierende, Skulpturen und Kunstaktionen auf sich aufmerksam gemacht hatte, sollte auf dem Sockel eines alten Molenturms an der Hafeneinfahrt von Konstanz ein prägnantes Denkmal errichten. Das Ergebnis war das wohl weltgrößte Denkmal für eine Kurtisane. Kritiker, unter anderem aus Kirchenkreisen, die auf den unzüchtigen Zusammenhang hinwiesen, wurden von den staatlichen und kommunalen Stellen unter Hinweis auf den Privatgrundstückscharakter der Mole an die Bundesbahn verwiesen.

Die Kurtisane Imperia, der Honoré de Balzac in seinen „Tolldreisten Geschichten“ ein literarisches Denkmal gesetzt hatte, stand im enger Verbindung zu dem Ereignis, das als das wichtigste in der Geschichte der Bodenseestadt gilt: Dem Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418, das vor allem das Abendländische Schisma der katholischen Kirche behandelte und beendete. Die eindeutig erotisch angelegte, durch ein gewagtes Dekolleté und einen lasziven Umhang charakterisierte Frau krönt eine durch Narrenschellenzipfel verzierte Hafenleuchte. In den Händen der rechtwinklig nach oben gehaltenen Arme hält Imperia zwei groteske nackte, Tiara beziehungsweise Reichsapfel tragende Klein-Männerfiguren, die möglicherweise gauklerhaft verzerrt auf Kaiser und Papst, auf weltliche und geistliche Macht sowie auf die Mätressenherrschaft der Renaissance-Zeit hinweisen sollen.

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